Maske und Haut - wie vertragen sie sich?

Bild: Pixabay

Seit April herrscht Maskenpflicht in Deutschland – wie wirkt sich das ständige Tragen auf unsere Haut aus? Der Chefarzt des iDerm, Professor Dr. med. Christoph Skudlik, befasst sich zurzeit intensiv mit coronabedingten Berufsekzemen:

  • Welche Maske ist die richtige?
  • Was sind die Ursachen bei Hautbildveränderungen?
  • Welche Empfehlungen gibt es bei auftretenden Hautirritationen?

Genauere Auskunft zu diesen Fragen und weitere Hinweise gibt Professor Skudlik in folgendem Interview mit AMIRA (www.amira-welt.de)

Veränderungen des Hautbildes und deren Ursachen

Unter dem Mund-Nasen-Schutz aufgetretenen Hautveränderungen können verschiedenste Hauterkrankungen zugrunde liegen. „Hierbei handelt es sich zumeist um keine Kontaktekzeme, die durch Irritationen oder Kontaktallergien ausgelöst werden. Häufiger ist zu beobachten, dass konstitutionelle (anlagebedingte) Hauterkrankungen durch das Tragen der Gesichtsmaske verschlimmert werden“, so Skudlik.

Beispielsweise können anlagebedingte Hauterkrankungen wie eine Rosazea oder ein seborrhoisches Gesichtsekzem unter der Maske verschlimmert werden. Diese Symptome würden durch das „klimatische Milieu“ unter der Maske bei längerem Tragen verursacht. „Hauptsächlich verantwortlich für die Hautirritationen sind das Schwitzen und das feucht-warme Klima unter der Maske, die zu einer unspezifischen Irritation und damit einer Verschlimmerung der anlagebedingten Hauterkrankung führen“, erklärt Skudlik.

Der Experte berichtet in diesem Zusammenhang über das aktuelle Beispiel einer OP-Schwester mit einer ursprünglich eher gering ausgeprägten Rosazea – bei der sich eine Verschlimmerung der Gesichtsrötung zeigte, nachdem sie in den zurückliegenden Wochen eine eng anliegende OP-Maske tragen musste: „Die zuvor von ihr regelmäßig getragene OP-Maske war demgegenüber gut vertragen worden und führte nicht zu Hautveränderungen. Diese OP-Maske hat neben einem Metallbügel im oberen, auf dem Nasenstieg anliegenden Bereich einen zusätzlichen formgebenden Metallbügel im Mittelteil, sodass ein besserer Abstand zwischen der Gesichtshaut und der Maske besteht. Dieses Modell ist aber derzeit unter den Bedingungen der Corona-Pandemie vergriffen.“

Welche Maske ist die richtige?

„Bei der Tätigkeit in der Apotheke empfehlen wir durchlässige und nicht-enganliegende Einmalmasken“, sagt der Dermatologe. Er führt aus, dass aus dermatologischer Sicht abdichtende Masken – beispielsweise N95-Masken – eher die bestehenden Gesichtsdermatosen verstärken. Als Ursache werde der stärker abdichtende (okklusive) Effekt vermutet. „Damit die Maske nicht während des ganzen Arbeitstages getragen werden muss, sollte sie mehrmals am Tag abgenommen werden, um die Haut atmen zu lassen“, rät der Experte. „Des Weiteren sollte die Maske aus hygienischen Gründen einmal am Tag gegen eine neue ausgetauscht werden“, ergänzt er.

Empfehlungen bei auftretenden Hautirritationen

Erste Beobachtungen aus Wuhan (China) zeigen, dass während der Corona-Pandemie rund 80 Prozent der Krankenhausangestellten unter Hautproblemen an Wangen und Nasenrücken leiden. An der Umfrage nahmen 526 Personen des Gesundheitswesens teil. Eine weitere Studie (Mai 2020) aus China verdeutlicht, dass eine höhere Hautempfindlichkeit und das Auftreten von Hautveränderungen aus dem feucht-warmen Milieu, das durch die Maske geschaffen wird, resultiert.

Tritt Hautausschlag oder ein verschlimmerndes Ekzem im Mund-Nasen-Bereich seit der Maskenpflicht auf? Skudlik empfiehlt, zunächst immer eine Einschätzung eines Dermatologen einzuholen. Für alle, die im Raum Hamburg und Umgebung wohnen, hat das BG-Klinikum Hamburg – gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) – eine kostenfreie „Berufs-Ekzem-Sprechstunde“ eingerichtet. Das Angebot richtet sich an BGW-Versicherte im Gesundheitsdienst – somit auch an das Apothekenpersonal. Nach Untersuchung und Diagnosestellung erfolgt eine hautfachärztliche Beratung und umgehende Einleitung der weiteren erforderlichen Maßnahmen.

Wirkstoffe zur Behandlung von Ekzemen, Entzündungen & Co.

Bei einem seborrhoischen (fettigen) Ekzem ist die adäquate Anwendung einer Ciclopirox-haltigen Creme hilfreich. Bei einer milden Rosazea ist laut dem Experten eine Metrodinazol-haltige Creme die richtige Wahl. Falls eine periorale Dermatitis (Pickel um den Mund) vorliegt, sollten keine aggressiven Mittel angewendet werden. Es reicht einfaches Wasser und eine dünne, nicht-fettende Pflegecreme. Zusätzlich empfiehlt der Dermatologe Schwarzteeumschläge oder auch eine wasserhaltige hydrophile Salbe (Ungentum emulsuficans aquosum). Weiterhin können bei entzündlichen Hauterkrankungen eine Cortison-haltige Creme und bei Herpes Wirkstoffe wie Aciclovir und Penciclovir Abhilfe schaffen.