"Die Krankheit hat man 24 Stunden am Tag"

Aktionswoche Haut & Job: Trotz Handekzem und Hautkrebs im Beruf bleiben

Quelle: BVDD

 

"Abends habe ich mir die Händen dick mit einer fettenden Salbe eingecremt, dünne Wollhandschuhe drübergezogen und versucht einzuschlafen, bevor die Schmerzen kamen", berichtet H.-G. Schmidt über sein berufsbedingtes Handekzem. Seit rund zwei Jahren leidet der Schlosser an roten, stark juckenden, verhornten und häufig eingerissenen Handflächen und Fingern. "Es schmerzte die ganze Zeit - die Krankheit hat man 24 Stunden am Tag", sagt der 59-Jährige. Doch deshalb den Job aufzugeben, muss nicht sein. Werden möglichst frühzeitig alle Register der hautärztlichen Behandlung gezogen, können 80 % der Betroffenen ihren Beruf weiter ausüben.

Die bundesweite Aktionswoche Haut & Job vom 21.- 25. November 2016 wirbt für Früherkennung und Vorsorge. "Im Rahmen einer neuen Studie wurden über 1.000 Patienten mit chronischem Handekzem alle heute zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der dermatologischen Versorgung und der gesundheitspädagogischen Beratung zuteil. Und siehe da: Von 1.166 auf diese Weise intensiv betreuten Erkrankten waren nach drei Jahren noch 80 % im gleichen Beruf und 73 % übten exakt die gleiche Tätigkeit aus", erläutert Prof. Swen Malte John, wissenschaftlicher Leiter und Chefarzt des iDerm. Zudem hatte sich die Arbeitsunfähigkeit wegen der Hauterkrankung von 35 Tagen pro Jahr vor der intensiven Versorgung auf neun Tage pro Jahr vermindert. Daher fordert John "Auch wenn das chronische Handekzem in der Regel nicht tödlich verläuft, sollte die Herangehensweise nicht hinter dem zurückbleiben, was uns heute medizinisch möglich ist."

Der Hautarzt Dr. Ralph von Kiedrowski, Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD) betont hier den Erfolg des Hautarztverfahrens. Dabei übernimmt die Berufsgenossenschaft unter anderem Kosten für Hautschutz- und spezielle Hautpflegemittel, veranlasst individuelle und arbeitsplatzbezogene Vorbeugemaßnahmen und bietet die Teilnahme an Hautschutzseminaren und eine Hautkur. "Diese Begleitmaßnahmen haben wir in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht, sie sind es aber, die den langfristigen Erfolg der Therapie sichern", betont von Kiedrowski.

Ein umfassendes Heilverfahren gibt es seit Neuestem auch für den berufsbedingten Hautkrebs, wie Prof. Andrea Bauer von der Universitätshautklinik Dresden erklärt. Seit dem 1. Januar 2015 können durch Sonnenlicht verursachte "weiße Hautkrebs", d. h. Plattenepithelkarzinome und ihre Vorstufen (aktinische Keratosen), bei Freiluftarbeitern als Berufskranhkeit mit der Ziffer BK 5103 anerkannt werden.

Aufgrund des zumeist bestehenden chronischen Lichtschadens sind in der Regel lebenslang vorbeugende, therapeutische und nachsorgende Maßnahmen erforderlich, die die Unfallversicherungsträger übernehmen", so Bauer. Die Präventionsmaßnahmen umfassen nach Jasim Auf Dem Berge von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) technische und organisatorische Maßnahmen wie Beschattungsmöglichkeiten, Arbeitszeitverlagerung aber auch persönliche Schutzmaßnahmen nach der 4-H-Regel: Hemd, Hose, Hut, hoher Sonnenschutz.

Das iDerm bietet mit der ILB-Individuelle Lichtschutzberatung ein Angebot für Betroffene  aus verschiedenen Berufsgruppen, sich über UV-Schutz beraten zu lassen im Beruf wie auch in der Freizeit. 

 
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